10.01.2014

Kindermund, der Dreiundzwanzigste

Aus Kindermündern kommen die tollsten Wortkreationen und Wahrheiten. Weil ich nicht mehr so viele vergessen will, gibt es für sie hier fortan immer freitags einen Platz. Ein Wort, ein Satz, ein Gespräch - ein Bild dazu. Schon die Überlegung, welches Foto sich mit welchem Kindermundausspruch verbinden könnte, beugt dem Vergessen vor. Wer mitmachen möchte, ist herzlich dazu eingeladen...

April 2012
Nun ist es doch wieder passiert. In der letzten Woche sind mir mindestens drei famose Kindermünder abhanden gekommen. Vergessen. Trotz aller guten Vorsätze. Es sei mir eine neuerliche Mahnung, sie doch lieber immer GLEICH aufzuschreiben...! Das Mädchen hat seit Weihnachten einen riesigen Satz gemacht. Körper und Geist sind in einem Maße gewachsen, dass ich Mühe habe, mein Kind zu erkennen. Plötzlich gibt es laute und starke Widerworte (die ich mir im Stillen schon manchmal gewünscht habe) und großen Diskussionsbedarf (den ich bezüglich mancher fester Regeln eigentlich gar nicht bedienen möchte, aber man zwingt mich lauthals doch zu Verhandlungen...). Weiter hat man gewisse Kletterängste überwunden und bahnt sich bar jeder Vernunft mit Stühlen über die Küchenarbeitsplatte den Weg zu weit oben wohnenden Gummibärchen. Außerdem möchte man die Kunst des Rolloöffnens und -schließens erlernen, manövriert sich dafür durch und über die Badewanne an der Wandheizung entlang zum Fenster und zieht ein wenig zu heftig...  Es ist also ein bisschen anstrengend gerade und doch sehr fein, das Übersichhinauswachsen zu beobachten. Aus der Zeit vor dem Schub stammt folgender Ausspruch: An mich heran getragen, als ich das Kind schon schlafend wähnte. Aus dem Bette heraus rufend, nach offenbar langer Überlegung: Mama, ich darf noch nicht alleine raus. Ich bin noch zu klein. Das dürfen nur die großen Schulkinder. Aber Hänschen Klein darf auch, oder? Wir singen viel zur Zeit... Habt ein wunderschönes Wochenende, schaut ruhig mal wieder gelassen weg, wenn Eure Kinderlein die Welt erobern. Und erzählt mir gern, was Eure wieder geplappert haben...

Kommentare:

  1. Wenn sie anfangen, solche Dinge zu hinterfragen udn sie ausdiskutieren wollen, dann beginnt es, anstrengend zu werden. ;-)
    Ich kann Dir einen Kindermund vom Dreikönigstag beisteuern:

    Wir spekulieren darüber, wer wohl die Mandel im Dreikönigskuchen erwischt und dann für einen Tag der Bestimmer sein darf.

    Ich: "Dann musst Du mir einen Tag lang Tee kochen, Essen machen, das Badewasser einlassen, die Füsse massieren, den Rücken kratzen, mich zudecken, mir vorlesen..."
    Sohn: "Ich will nicht versklavt werden!"
    Ich: "Du weisst schon, dass ich das jeden Tag für dich tue. Das bedeutet ja dann, dass ich Sklavenarbeit leiste, oder?"
    Sohn (streichelt mir über den Kopf) "Ach Mama, du kommst schon irgendwann darüber hinweg..."

    Herzlich, Katja

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    1. Sehr gelacht, meine Liebe! Dir mal tröstend über den Kopf streichelnd... und nun etwas Sorge ob der Zukunft habend, herzlich, Marja

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  2. oh, die übersichwachszeit - anstrengend, aber auch so schön spannend! das hinterfragen von dingen, der welt, dem leben, von regeln und wieso die eigentlich immer von erwachsenen aufgestellt werden...
    hier wird viel hinterfragt, zum beispiel: "mama, wie wird ein fisch gemacht?" - die werden doch nicht gemacht... - "das weiß ich doch, die kopmmen als eier aus dem bauch vom mutterfisch. aber woher kommt der mutterfisch??" - na auch aus dem bauch eines mutterfischs... - "das mein ich doch nicht, das weiß ich doch, aber woher kommt der erste, der allererste mutterfisch, wenn da noch keiner war, der eier produziert hat???"
    und es wird sich an humor versucht vor der vollen müslischüssel, schmunzelnd: "noch, noch, noch, mehr!" - immer das gleiche, jetzt iss doch erst mal, was du hast! - grinsend: "das war ein scherz! hab ich dich jetzt in die truhe gelegt?"
    liebe marja, so vielen herzlichen dank: fürs helfenwollen, mitbieten, teilen, weitergeben!
    herzliche grüße ins wochenende!
    dania

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    1. Oh ja, jenes "Scherzenwollen" ist hier auch gerade ganz groß... Noch sehr geplant, ungefähr so: "Mama, Du merkst nicht, dass ich jetzt Zähne putzen gehe und wenn ich wiederkomme, sagst Du: H., jetzt geh doch bitte endlich Zähne putzen". So geschieht es und das Kind freut sich scheckig, wenn es mir lachend sagt, es hätte doch schon längst... Hoffentlich ist es gemütlich in Deiner Truhe, in die der Wirbelwind Dich legt ;-) Liebsten Gruß, Marja

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    2. @dania: schon mal versucht, auf die Fragenkette mit einer Gegenfrage zu antworten? "Hm, was meinst denn du, wo er herkommt?" Kann spannend werden ;-)

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  3. Riesenfortschritte, oder? Die Verzweiflung über Mamas Unverstand wird jetzt erläutert, mit eigenen starken Worten, Klasse... (Und von schwebend-labilen Kletterbauwerken in Kinderzimmern kann ich einige Lieder singen... ;-)), in der Küche blieb es mir erspart, aber in der wohnten ja auch keine Gummibärchen ;-). K. fragte gestern abend, ob ihr auch am WE kommt...? Betten hätt' ich noch frei ;-) Lieben Gruß dmama

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  4. liebe marja, es dürfe wohl gerade eine gute »gedeihzeit« sein für die kleinen (wirklich: »gedeihkontrolle« stand nach dem letzten besuch bei der kinderärztin auf der honorarnote!) — das füchslein plappert seit weihnachten wie verrückt; und kann auch ordentlich gas geben beim durchsetzen seiner oft recht aparten wünsche ... und bald wirds hier wie dort vorbeisein mit dem nichtalleinerausgehendürfen. so lange sie immer wieder kommen, unsere hänschens, solls so sein ;) alles liebe euch!

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    1. Ich setz noch eins drauf: Gedeihstörung. Brrrr.
      Fröhliches Plappern, Durchsetzen und Durchhalten ;-) LG, Marja

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  5. hui, ja das wird ne spannende Zeit jetzt für euch ;-)
    Mein Kleinster ist übrigens momentan rotzfrech. Wenn ich was von ihm möchte, kommt momentan fast immer nur die gleiche Antwort: "Lass mich in Ruhe!" und das mit 2 Jahren, der hat gut bei seinen großen Geschwistern zugehört!
    Aber alles in allem kann man sich doch über jeden Schritt und Sachen Selbstbewusstsein und Selbständigkeit freuen, oder? Die Wortgefechte gehören nun mal dazu.
    Liebe Grüße!

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    1. Oh ja, den Satz höre ich auch oft... (wohl bei mir abgehört, räusper)

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  6. Nur was kurzes: ich beim nähen leise vor mich her fluchend: " ich Depp ich!", meine Tochter(5) grinsend "ja mami du Teppich!"

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    1. Der "Deppisch" würde auch gut hier nach Sachsen passen ;-)...

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  7. Liebe Marja, hier ein Kindermund von meinem Sohn (3 Jahre), der sich gerade glühend für Polizisten, Handschellen, Einbrecher, Spurensicherung und Fingerabdrücke interessiert und fast immer sein großes Polizeibuch (für Siebenjährige) mit sich herumschleppt...:

    Mama: "Ich hab dich so lieb... bis zum Ende der Welt und wieder zurück."
    B.: "Ich hab dich auch lieb. Bis zum Tatort und wieder zurück."

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    1. Ich hatte heute Mühe, ein passendes Fahrrad für die Tochter zu finden, das NICHT Polizeifahrrad war. Dein B. hätte wohl große Freude gehabt :-) Eine wunderbare Liebeserklärung!

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  8. bei der (achsotollenichliebesieohneende) kinderärztin zur U heute früh mit dem kleinen, der in zwei wochen drei wird:
    obligatorisches gespräch zwischen den beiden, ungefähr so:
    "sag mal, wie alt bist du denn?"
    kind streckt drei finger- gibt gern schon bissle an ;-)
    "aha, und sag mal, was bist du?"
    stirnrunzeln beim kind
    "bist du ein junge oder ein mädchen?"
    lautstark: "is bin ein béla!!"

    hach wie schön, eines der uns grundlegenden gesinnungskonzepte "in erster linie mensch und nach etlichen komponenten kommt irgendwann genderkram" wurde hier zuckersuess zusammengefasst. ohne doktrin. :-)

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    1. Die einzig richtige Antwort... :-) Auf jeden Fall die beste!

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  9. liebe marja, heut hast du mir rührungsspontantränen mit der stimme deiner kleinen in die augen getrieben. ganz präsent war plötzlich die sehnsucht nach den kleinkinderstimmen meiner beiden großen. und beim lied fiel mir auch eine liedzeile von marie ein...vielleicht hab ich sie schon mal geschrieben? "kam ein vogel geflogen, setzt sich nieder auf meinen fuß, hat ein vogel im schnabel, von der mutter einen gruß..." und das noch im breitesten sächsisch - damals;)
    es drückt dich birgit, die sich mit dir über dein entwicklungsspringendes kind freut...

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    1. Zum "Niedersetzen"...! Oh ja, es ist so schnell vorbei. Aber es bleibt ja auch mit den Großen schön (und hier und da genauso aufreibend...), bald hast Du sie wieder...! Liebste Grüße, Marja

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  10. Liebe Marja,

    ich möchte fast "Ohweh" schreiben, ob des Widerstandes aus deinen Reihen, wenn, ja wenn ich nicht wüsste, wie wichtig sie sind und vorallenm, dass auch diese Phase vorbeigeht. (Die anderen sind leider nicht besser, aber halt wichtig für´s Kind. :-)) Von daher kann ich nur sagen: Halte durch und wie du schon so schön gemeint hast: Einfach mal fünfe grade sein lassen.
    Die Kletteraktionen übrigens, die hätte ich mir mal bei meinen Jungs gewünscht. *seufz*

    Mein Großer hat letzte Woche einen schönen Kindermund gerissen, den ich dir unbedingt dalassen muss:

    "Also mama, das heißt jetzt nicht, dass du schon sterben sollst, aber welches Lied möchtest du denn zu deiner Beerdigung gespielt haben?"

    Ich hätte bitte gern "Hoch oben" von der Kleingeldprinzessin. :-)

    Hab eine feines Wochenende!
    Katja

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    1. ... Deine Jungs sind wohl keine Kletterfreunde? Dafür aber sehr weit vorausschauend... Sehr, sehr weit hoffentlich! Dennoch, eine feine Wahl - kannte ich gar nicht. Jene Kletteraktionen lassen mich übrigens gerade darüber nachdenken, ob ich nicht doch lieber sämtliche Regale und Schränke zusätzlich sichern sollte - das Kind hat Ideen zur Zeit, das ist mir doch sehr neu... Liebsten Gruß ins Wochenende, Marja

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    2. Ja, Regale sichern kann nicht schaden, das zeigte sich letztes Jahr sogar bei meinem Zwölfjährigen in seinen Freunden. Sie schafften es, den Schreibschrank meines Großen zum Fallen zu bringen. Nicht dass es schlimm wäre, einige "Wertsachen"verluste hinzunehmen, das nicht, aber wenn es durch´s Kippen an Leib und Leben der Kinder geht, dann wird´s kritisch.
      Lieber ein Mal zu viel gesichert, als zu wenig.
      Und meine sind drinnen so gut wie nie geklettert und draußen noch viel weniger, warum auch immer. Zu groß war wohl die Angst vorm Fall. Die viele Zeit, die ich als Kind auf Bäumen verbracht habe (bei jedem Versteckspiel ging´s sofort nach oben), die haben die meinen immer sicher auf dem Boden verbracht. Leider merkt man das heute bei manch motorischer Sache.
      Aber der kleine Monsieur hat sowieso Höhenangst, was ich leider gern mal vergesse und mir in Erinnerung rufen muss, BEVOR wir einen Kirchturm besteigen. :-)

      Liebste Grüße
      Katja

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  11. Klingt, als würde es Zeit, abschließbare Fenstergriffe anzubringen ;).

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Ich freue mich sehr über Eure Worte!